Sicherheitsunterweisungen

10 Tipps für die Sicherheitsunterweisung neuer Mitarbeiter

Neue Mitarbeiter bringen Erfahrung, Motivation und oft auch einen etwas anderen Blick auf die Abläufe im Unternehmen mit. Was ihnen allerdings fehlt, ist die genaue Kenntnis der Arbeitsplätze, Maschinen, Gefahrenquellen und internen Regeln. Genau deshalb sollte die Sicherheitsunterweisung nicht als lästige Pflichtveranstaltung verstanden werden. Sie ist der erste wichtige Schritt, damit neue Mitarbeiter sicher in ihren Arbeitsalltag starten können. Dieser Artikel gibt 10 Tipps aus der Praxis.

Autor: Thomas W. Frick (LinkedIn-Profil / Xing-Profil)

Bei Sicherheitsunterweisungen kommt es nicht nur darauf an, möglichst viele Informationen weiterzugeben. Entscheidend ist, dass die Mitarbeiter verstehen, welche Gefahren an ihrem konkreten Arbeitsplatz bestehen und wie sie sich im Ernstfall richtig verhalten.

Hier sind zehn Punkte, die sich in der Praxis bewährt haben.

1. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit

Eine Sicherheitsunterweisung zwischen Tür und Angel ist selten eine gute Idee. Gerade am ersten Arbeitstag prasseln ohnehin viele Informationen auf neue Mitarbeiter ein.

Planen Sie deshalb ausreichend Zeit ein. Die Unterweisung sollte nicht danach ausgerichtet sein, möglichst schnell erledigt zu sein, sondern danach, dass die wichtigsten Inhalte tatsächlich verstanden werden.

Je nach Tätigkeit können dabei unterschiedliche Themen eine Rolle spielen.

Beispiel: Für einen Büroarbeitsplatz gelten schließlich andere Gefährdungen als für eine Werkstatt, ein Lager oder eine Baustelle.

2. Beginnen Sie mit dem konkreten Arbeitsplatz

Allgemeine Sicherheitsregeln sind wichtig. Noch wichtiger ist jedoch die Frage, was konkret an dem Arbeitsplatz der neuen Arbeitskraft passieren kann?

Gehen Sie deshalb möglichst direkt am Arbeitsplatz auf die vorhandenen Gefahren ein. Zeigen Sie Fluchtwege, Notausgänge, Feuerlöscher, Erste-Hilfe-Einrichtungen und gegebenenfalls persönliche Schutzausrüstung.

Tipp: Bei Maschinen oder technischen Anlagen sollten neue Mitarbeiter nicht nur hören, welche Gefahren bestehen. Zeigen Sie diese bildlich und praxisnah möglichst direkt vor Ort auf. Das bleibt häufig besser im Gedächtnis als eine lange theoretische Erklärung.

3. Erklären Sie auch scheinbare Kleinigkeiten

Neue Mitarbeiter wissen nicht automatisch, was für erfahrene Kollegen längst selbstverständlich ist.

  • Wo darf etwas abgestellt werden?
  • Welche Wege müssen freigehalten werden?
  • Was passiert bei einem verschütteten Stoff?
  • Wem muss ein Defekt gemeldet werden?
  • Darf eine Maschine selbstständig wieder in Betrieb genommen werden?

Solche Fragen wirken manchmal banal. Gerade hier entstehen im Alltag jedoch schnell Unsicherheiten.

Wichtig: Sprechen Sie Regeln an, die für die bisherigen Mitarbeiter längst zur Routine geworden sind und binden Sie diese in die Sicherheitsunterweisung mit ein, als eine Art automatische Erinnerung.

4. Zeigen Sie die persönliche Schutzausrüstung

Falls Schutzkleidung oder andere persönliche Schutzausrüstung erforderlich ist, sollte die Unterweisung nicht bei einer Aufzählung enden.

Zeigen Sie, welche Ausrüstung benötigt wird, wie sie richtig verwendet wird und worauf bei der Kontrolle und Aufbewahrung zu achten ist.

Beispiel: Ein Mitarbeiter sollte am Ende nicht nur wissen, dass beispielsweise Gehörschutz erforderlich ist. Er sollte auch wissen, wann er ihn tragen muss und wo er ihn bekommt.

5. Sprechen Sie offen über Fehler

Sicherheit funktioniert nicht besonders gut, wenn Mitarbeiter Angst haben, Fehler oder gefährliche Situationen zu melden.

Tipp: Vermitteln Sie deshalb von Anfang an, dass ein erkannter Fehler besser gemeldet als verschwiegen wird.

Das gilt auch für sogenannte Beinahe-Unfälle. Wenn etwas gerade noch einmal gut gegangen ist, kann genau darin ein wichtiger Hinweis auf eine mögliche Gefahrenquelle liegen.

Eine gute Sicherheitskultur beginnt damit, dass solche Beobachtungen ernst genommen werden.

6. Klären Sie das Verhalten im Notfall

Was passiert, wenn es tatsächlich zu einem Unfall, einem Brand oder einer anderen Notfallsituation kommt?

Neue Mitarbeiter sollten wissen, wo sie Hilfe bekommen, welche Notrufmöglichkeiten bestehen, welche Fluchtwege vorgesehen sind und an wen sie sich im Unternehmen wenden müssen.

Nicht vergessen: Auch die Frage, wo sich Erste-Hilfe-Material und gegebenenfalls Defibrillatoren befinden, gehört dazu.

Im Notfall bleibt wenig Zeit, um lange nach Informationen zu suchen. Deshalb sollte das richtige Verhalten vorher bekannt sein.

7. Lassen Sie den Mitarbeiter selbst erklären

Eine Unterweisung sollte kein reiner Vortrag sein.

Fragen Sie zwischendurch nach. Lassen Sie sich beispielsweise zeigen, wo sich der nächste Fluchtweg befindet oder was im Falle eines bestimmten Fehlers zu tun ist.

Tipp: Noch besser ist es, den Mitarbeiter die wichtigsten Abläufe selbst erklären zu lassen.

So merken Sie relativ schnell, ob die Informationen tatsächlich angekommen sind oder ob an einer Stelle noch Fragen offen sind.

8. Berücksichtigen Sie besondere Situationen

Nicht jeder Mitarbeiter arbeitet unter den gleichen Bedingungen. Je nach Tätigkeit können besondere Gefährdungen hinzukommen.

Dazu können beispielsweise der Umgang mit Maschinen, Gefahrstoffen, Fahrzeugen, elektrischen Anlagen, Leitern oder schweren Lasten gehören.

Hinweis: Auch besondere Arbeitszeiten oder Tätigkeiten außerhalb des normalen Arbeitsplatzes können zusätzliche Anforderungen mit sich bringen.

Die Unterweisung sollte deshalb immer zur tatsächlichen Tätigkeit passen und nicht einfach aus einer allgemeinen Präsentation bestehen, die für jeden Mitarbeiter identisch verwendet wird.

9. Dokumentieren Sie die Unterweisung

Sicherheitsunterweisungen sollten nachvollziehbar dokumentiert werden. Dazu gehören unter anderem die relevanten Inhalte, der Zeitpunkt und die unterwiesenen Personen.

Wichtig ist dabei auch, dass nicht nur unterschrieben wird, sondern dass die Unterweisung tatsächlich durchgeführt und verstanden wurde.

Merke: Eine Unterschrift allein macht noch keine gute Sicherheitsunterweisung.

Die konkreten gesetzlichen Anforderungen hängen unter anderem von Tätigkeit und Arbeitsplatz ab. Deshalb sollten Unternehmen ihre Unterweisungen an den geltenden Arbeitsschutzvorgaben und den jeweiligen Gefährdungsbeurteilungen ausrichten.

10. Machen Sie Sicherheit zu einem laufenden Thema

Die Sicherheitsunterweisung am ersten Arbeitstag ist wichtig. Sie sollte aber nicht der letzte Zeitpunkt sein, an dem über Sicherheit gesprochen wird.

Neue Mitarbeiter sammeln in den ersten Wochen praktische Erfahrungen besonders Azubis. Dabei entstehen neue Fragen, und manchmal werden Gefahren erst im täglichen Umgang mit den Arbeitsabläufen sichtbar.

Sprechen Sie deshalb regelmäßig über sicherheitsrelevante Themen. Greifen Sie Fehler, Beinahe-Unfälle und neue Situationen auf.

Merke: Sicherheit sollte nicht nur auf einem Formular stehen, sondern Teil des normalen Arbeitsalltags sein.

Eine gute Unterweisung bleibt im Gedächtnis

Eine Sicherheitsunterweisung ist dann gelungen, wenn der Mitarbeiter nach dem Gespräch nicht nur weiß, dass es Sicherheitsregeln gibt, sondern versteht, warum sie wichtig sind und wie er sich im konkreten Fall verhalten muss.

Dabei hilft vor allem eines: weniger Theorie, mehr Bezug zur tatsächlichen Arbeit.

Zeigen Sie die Gefahren dort, wo sie entstehen. Lassen Sie Fragen zu. Sprechen Sie auch über scheinbare Kleinigkeiten. Und geben Sie neuen Mitarbeitern das Gefühl, dass Sicherheit nicht gegen sie, sondern für sie organisiert wird.

Denn gerade in den ersten Tagen entsteht ein großer Teil der späteren Arbeitsroutine. Wenn sicheres Arbeiten von Anfang an dazugehört, wird es deutlich leichter zur Selbstverständlichkeit.

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